KLARTEXT mit...

... Harry Gatterer, Trendforscher, Geschäftsführer des Zukunftsinstituts und Experte für „New Living“

Harry Gatterer
Harry Gatterer

Bankteilhaber: Herr Gatterer, was macht diese so viel gepriesene Digitalisierung eigentlich mit uns?

Harry Gatterer: Durch die enorme Anzahl an digitalen Informationen und der extremen Vernetzung der Informationen ergeben sich zwei zentrale Effekte: Zum einen sind wir Menschen nicht mehr in der Lage, uns ein komplettes Bild zu machen. Egal, ob in beruflichen Fragen, privaten Vorhaben oder zu Ereignissen auf der Welt. Wir sind auf Fragmente angewiesen, und müssen mit diesen für uns ganz individuell versuchen, eine Art stimmige Idee zu erhalten. Zum anderen fördert dies die Gleichzeitigkeit von wahrgenommenen Ereignissen. Es scheint uns, als würde alles schneller gehen und unser Leben sehr kompliziert. Der Begriff, den man dafür verwenden muss, ist Komplexität. Schlichtweg macht die Digitalisierung unser Leben komplexer, und wir müssen lernen, mit dieser Komplexität zu leben.

Bankteilhaber: Wird das dazu führen, dass Menschen vielleicht sogar vermehrt auf digitale Dienstleistungen verzichten, um der Komplexität zu entkommen?

Harry Gatterer:  Ja, und nein. Als Anbieter - wie eine Bank das ist - können Sie nicht umhin, und müssen viele ihrer Services digitalisieren. Nicht, dass die Menschen nicht mehr in die Bank gehen wollen würden. Aber sie schaffen es schlichtweg nicht, diesen Gang in ihren Alltag zu integrieren. Auf der anderen Seite brauchen wir Orte und echte Menschen, wenn wir wichtige Entscheidungen zu treffen haben, oder einfach mal wem zum reden (übers Geschäft, private Entwicklungen, …), wir brauchen analoge Erfahrungen, weil die digitalen unser Hirn nicht in dem Maße Orientierung geben können, wie sie das vormachen. Das bedeutet also, dass es um eine kluge Kombination von Menschlicher Begegnung, guten Orten und digitaler Services zwecks Alltags-Erleichterung geht.

Bankteilhaber: Gibt es sonst noch Megatrends, mit denen wir zu rechnen haben?

Harry Gatterer: In der Tat ist es so, dass die Digitalisierung sehr ablenkt von anderen Entwicklungen, die enorm die Zukunft prägen werden: Nehmen wir nur die Alterung der Gesellschaft. Im Moment tun wir uns noch sehr schwer, mit dem Alter adäquat umzugehen. Eher haben wir Angst vom Altwerden, in jeder Dimension. Persönlich, aber auch als Gesellschaft - wenn wir nur die Diskussionen über die Pensionen beleuchten. Auch die Globalisierung wird unser Leben hier in Deutschland massiv beeinflussen: Der Wohlstand nimmt in den meisten Ländern der Welt zu, und die Anzahl an Mitspielern auf dem internationalen Feldern steigt. Dabei wird gerade der Umgang mit "dem Fremden" entscheiden sein. Weshalb wir einen neuen Megatrend definiert haben, der unumgänglich die nächsten Jahrzehnte im Griff hat: Sicherheit.