
125 Jahre Mitgliedschaft:
eine Idee, die Sicherheit bietet
1885 taten sich im Kreis Kleve 53 Menschen zusammen, um ihre eigene Bank zu gründen.
Wer die Geschichte der Volksbank an der Niers erzählen will, muss die Geschichte ihrer Mitglieder erzählen. Doch von Anfang an: Am 2. März 1885 gründeten 53 Landwirte und Handwerker den Spar- und Darlehensverein zu Uedem. Sechs von ihnen bildeten den Vorstand, alle gemeinsam wurden zu Pionieren in der Region. Denn mit der Gründung der eigenen Genossenschaftsbank
ermöglichten sie dem einfachen Mann auf der einen Seite Geld anzusparen und dafür Guthabenzinsen zu bekommen. Auf der anderen Seite konnten sich die Mitglieder Geld leihen, um
in ihr Geschäft oder in ihren Hof zu investieren beziehungsweise ein Haus zu bauen.
Was heute selbstverständlich ist, war damals undenkbar: Banken gab es nur in großen Städten, sie interessierten sich nur für Großunternehmer und Adelige. Mittelstand und Landwirte gingen zu privaten Geldverleihern. Selbst das Investieren von gespartem Geld war nur schwer möglich: Meist wurde das Bargeld mehr oder weniger gut versteckt im Haus aufbewahrt.
Bis zur industriellen Revolution konnten die Menschen damit halbwegs leben, wenn auch stets am Rande der Existenz. Aber als Dampfmaschinen und Fabriksirenen den Alltag zu bestimmen begannen, wurde das dramatisch anders. Nicht nur in den entstehenden Großstädten wuchs die Zahl der Armen.
Doch wo die Not am größten ist tut sich das Rettende auf. Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch hatten unabhängig von einander die gleiche Idee: Wenn sich die Menschen zusammen täten in einer Genossenschaft und derjenige, der Geld hat, würde es dem anderen leihen gegen einen geringen Zins – wäre das nicht ein Ausweg? Überall in Deutschland wurde dieser Gedanke zum Saatgut, blühten Genossenschaften auf – weil sich die Mitglieder aufeinander verließen und gegenseitig unterstützten. Schulze- Delitzsch begeisterte bürgerliche Schichten, Raiffeisens Anklang. Gerade am Niederrhein entstanden Ende des 19. Jahrhunderts viele Kreditgenossenschaften nach dem glieder hieß es wörtlich: „Die Versammlung hat wieder klar gezeigt, wie existenzberechtigt und lebensfähig der frisch aufblühende Verein ist. Bis heute
ist Uedem der einzige Ort im Kreise Kleve, welcher sich einer so segensreichen Einrichtung erfreut. Hoffentlich werden bald andere Gemeinden, durch schöne Beispiele ermuntert, die Mühen der Einrichtung eines Raiffeisen’schen Vereins nicht scheuen, um immer mehr den Sparsinn zu wecken und den Blutsaugern des Volkes, den Wucherern, ihr unsauberes Handwerk zu legen.“
Dieser Wunsch wurde Wirklichkeit: Auch in Kevelaer, Goch, Geldern, Straelen, Kerken und Walbeck gründeten Landwirte und Handwerker ihre eigenen Banken. Vor allem: Die Genossenschaftsidee am Niederrhein überstand Kaiserreich und Hitler-Diktatur, Weltkriege und Währungsreformen. Denn Sie stellte nicht die Rendite, sondern das Miteinander in den Mittelpunkt.
In den Wirtschaftswunderjahren wuchsen dann auch die Genossenschaftsbanken. Ihre mittelständischen Mitglieder machten Gewinne und investierten. Und ihre Privatkunden
bekamen sicheren Lohn, bauten Häuser, sorgten für die Risiken des Alltags vor und schufen Vermögen. Spar- und Darlehenskassen sowie Volksbanken und Raiffeisenbanken konkurrierten allerdings mit anderen Wettbewerbern. Sie blieben jedoch der zuverlässige Partner an der Seite ihrer Mitglieder und Kunden, als sich Geschäftsbanken und Finanzkonzerne längst nur noch für die besonders Reichen und international agierenden Unternehmen interessierten. Börsenboom und Neuer Markt, Aktiencrashs und Internetblase haben daran bis heute nichts geändert: Kontakt der Menschen. Und doch ist manches anders geworden: Der Staat erarbeitet immer mehr Kontrollgesetze und Prüfungsvorgaben. Die Mitglieder und Kunden fragen immer häufiger nach günstigen Konditionen. Die Konsequenz: Die Kreditgenossenschaften vereinbarten, gemeinsam Qualitätsführer in der regionalen Finanzdienstleistung zu bleiben. Es kam zu Zusammenschlüssen, um Service zu sichern und Beratung auszubauen.
Die Mitgliederentwicklung gab den dafür Verantwortlichen Recht: Im Geschäftsgebiet der heutigen Volksbank an der Niers – die 2006 aus der Volksbank Goch-Kevelaer hervorging – gab es vor
20 Jahren genau 23.189 Mitglieder in Genossenschaftsbanken. Heute sind in der Region an der Niers 42.555 Bankteilhaber eingetragen. Frauen und Männer vor allem, aber auch Kinder und Jugendliche, zudem Institutionen und Unternehmen. Sie alle unterstützen mit ihrer Mitgliedschaft die Idee, dass die Gemeinschaft vor Ort stärker ist als das internationale Renditestreben. Eine Idee, die den Finanzkonzernen trotzt. Und die den Menschen vor Ort Sicherheit
ermöglichten sie dem einfachen Mann auf der einen Seite Geld anzusparen und dafür Guthabenzinsen zu bekommen. Auf der anderen Seite konnten sich die Mitglieder Geld leihen, um
in ihr Geschäft oder in ihren Hof zu investieren beziehungsweise ein Haus zu bauen.
Was heute selbstverständlich ist, war damals undenkbar: Banken gab es nur in großen Städten, sie interessierten sich nur für Großunternehmer und Adelige. Mittelstand und Landwirte gingen zu privaten Geldverleihern. Selbst das Investieren von gespartem Geld war nur schwer möglich: Meist wurde das Bargeld mehr oder weniger gut versteckt im Haus aufbewahrt.
Bis zur industriellen Revolution konnten die Menschen damit halbwegs leben, wenn auch stets am Rande der Existenz. Aber als Dampfmaschinen und Fabriksirenen den Alltag zu bestimmen begannen, wurde das dramatisch anders. Nicht nur in den entstehenden Großstädten wuchs die Zahl der Armen.
Doch wo die Not am größten ist tut sich das Rettende auf. Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch hatten unabhängig von einander die gleiche Idee: Wenn sich die Menschen zusammen täten in einer Genossenschaft und derjenige, der Geld hat, würde es dem anderen leihen gegen einen geringen Zins – wäre das nicht ein Ausweg? Überall in Deutschland wurde dieser Gedanke zum Saatgut, blühten Genossenschaften auf – weil sich die Mitglieder aufeinander verließen und gegenseitig unterstützten. Schulze- Delitzsch begeisterte bürgerliche Schichten, Raiffeisens Anklang. Gerade am Niederrhein entstanden Ende des 19. Jahrhunderts viele Kreditgenossenschaften nach dem glieder hieß es wörtlich: „Die Versammlung hat wieder klar gezeigt, wie existenzberechtigt und lebensfähig der frisch aufblühende Verein ist. Bis heute
ist Uedem der einzige Ort im Kreise Kleve, welcher sich einer so segensreichen Einrichtung erfreut. Hoffentlich werden bald andere Gemeinden, durch schöne Beispiele ermuntert, die Mühen der Einrichtung eines Raiffeisen’schen Vereins nicht scheuen, um immer mehr den Sparsinn zu wecken und den Blutsaugern des Volkes, den Wucherern, ihr unsauberes Handwerk zu legen.“
Dieser Wunsch wurde Wirklichkeit: Auch in Kevelaer, Goch, Geldern, Straelen, Kerken und Walbeck gründeten Landwirte und Handwerker ihre eigenen Banken. Vor allem: Die Genossenschaftsidee am Niederrhein überstand Kaiserreich und Hitler-Diktatur, Weltkriege und Währungsreformen. Denn Sie stellte nicht die Rendite, sondern das Miteinander in den Mittelpunkt.
In den Wirtschaftswunderjahren wuchsen dann auch die Genossenschaftsbanken. Ihre mittelständischen Mitglieder machten Gewinne und investierten. Und ihre Privatkunden
bekamen sicheren Lohn, bauten Häuser, sorgten für die Risiken des Alltags vor und schufen Vermögen. Spar- und Darlehenskassen sowie Volksbanken und Raiffeisenbanken konkurrierten allerdings mit anderen Wettbewerbern. Sie blieben jedoch der zuverlässige Partner an der Seite ihrer Mitglieder und Kunden, als sich Geschäftsbanken und Finanzkonzerne längst nur noch für die besonders Reichen und international agierenden Unternehmen interessierten. Börsenboom und Neuer Markt, Aktiencrashs und Internetblase haben daran bis heute nichts geändert: Kontakt der Menschen. Und doch ist manches anders geworden: Der Staat erarbeitet immer mehr Kontrollgesetze und Prüfungsvorgaben. Die Mitglieder und Kunden fragen immer häufiger nach günstigen Konditionen. Die Konsequenz: Die Kreditgenossenschaften vereinbarten, gemeinsam Qualitätsführer in der regionalen Finanzdienstleistung zu bleiben. Es kam zu Zusammenschlüssen, um Service zu sichern und Beratung auszubauen.
Die Mitgliederentwicklung gab den dafür Verantwortlichen Recht: Im Geschäftsgebiet der heutigen Volksbank an der Niers – die 2006 aus der Volksbank Goch-Kevelaer hervorging – gab es vor
20 Jahren genau 23.189 Mitglieder in Genossenschaftsbanken. Heute sind in der Region an der Niers 42.555 Bankteilhaber eingetragen. Frauen und Männer vor allem, aber auch Kinder und Jugendliche, zudem Institutionen und Unternehmen. Sie alle unterstützen mit ihrer Mitgliedschaft die Idee, dass die Gemeinschaft vor Ort stärker ist als das internationale Renditestreben. Eine Idee, die den Finanzkonzernen trotzt. Und die den Menschen vor Ort Sicherheit
